Die Gaststätte Uhe/Ostermann/Micke/Kossel [1]

Nach der ältesten vorhandenen Urkunde aus dem Jahr 1883 wurde die Schankerlaubnis der Witwe Lisette Uhe (1855-1915) übertragen, weil ihr Ehemann Caspar verstorben war. Sie heiratete in 2. Ehe 1886 den Albert Ostermann (1861-1901).

1908
Gasthaus Ostermann. (Postkartenausschnitt)

Nach dessen Tod übernahm die Tochter aus 1. Ehe, Marie Uhe (1877-1950) die Gastwirtschaft, Kleine Gasse 9. Marie Uhe verheiratete sich 1909 mit Wilhelm Micke (1886-1933).

1930
Alte Gastwirtschaft Micke, 1931 abgebrannt. Links Marie Kossel geb. Micke, rechts Marie Micke geb. Uhe (Foto von Erwin Kossel)

Ein Brand im Jahre 1931 vernichtete die Gaststätte, nur die Stallungen konnten gerettet werden. Der Wiederaufbau erfolgte 1932.

1932 (1933)
Gastwirtschaft Micke, ganz rechts ein Brunnen. Das Treppchen hinter dem kleinen Vorbau ist heute noch Eingang. (Postkartenausschnitt, Foto von Erwin Kossel)

Während des 2. Weltkrieges (ca. 1942) wurden die Schankräume von der Wehrmacht beschlagnahmt und als Depot benutzt.

In der Folgezeit bis 1953 mussten ausgebombte Familien bzw. Flüchtlinge aus dem Osten in den Räumen untergebracht werden.

Nach einem Umbau und gründlicher Renovierung konnten Wilhelm Kossel (1903-1969) mit Ehefrau Marie, geb. Micke (1911-1981), im Jahre 1954 die Gaststätte neu eröffnen.

ca. 1957
Gaststätte Kossel. (Foto von Erwin Kossel)
V. l. Wilhelm Kossel, Marie Kossel, Sohn Erwin Kossel

Durch den guten Zuspruch der Bevölkerung war es möglich, 1959 noch einen Saal anzubauen. Er wurde für allerlei Festlichkeiten genutzt.

Schon früh wurde ein Fernsehapparat angeschafft, es war der zweite im Dorf. Die Gaststätte war voll, wenn Kulenkampff oder Frankenfeld auf Sendung waren. Getränke mussten vorher geordert werden, denn während der Sendung blieb der Raum dunkel. So war der Anfang der Fernsehzeit.

Die Gaststätte diente dem Spielmannszug Meiningsen/Epsingsen seit der Neueröffnung als Vereinslokal, ebenso wurde die Chorgemeinschaft ab Ende der 80er Jahre hier heimisch.

Im Jahre 1963 errichtete W. Kossel in Zusammenarbeit mit der Kyffhäuser-Kameradschaft und der ihr angegliederten Sportgruppe einen Kleinkaliberschießstand im Garten. Im August 1963 fand bereits die 1. Kreismeisterschaft statt. Weitere Wettkämpfe und Trainingseinheiten folgten bis zur Schließung der Gaststätte.

Wilhelm Kossel war nicht nur Gastwirt, sondern er erlernte auch das Schmiedehandwerk (bei Funke). In Soest, in der Nähe der Zuckerfabrik, besaß er eine Schmiede mit einem Reparaturbetrieb für Landmaschinen. Erst 1955, nach größeren Umbaumaßnahmen an den Stallungen, verlegte er die Werkstatt nach Meiningsen.

10 Jahre war er hier tätig. Er betreute die Landwirte nicht nur in Meiningsen, sondern war bis weit in die Niederbörde tätig. Sohn Karl-Heinz absolvierte seine Lehrjahre bei ihm. Er übernahm die Werkstatt aber nicht, denn er fühlte sich zu den Autos hingezogen.

Sohn Erwin mit Ehefrau Pauline, geb. Reinold, führten die Gaststätte von 1981-1992. Zwischenzeitlich war sie an G. Kreiling und Jürgen Schlak verpachtet.

Brachte das Fernsehen anfangs viele Leute ins Haus, so kam auch das Ende durch das Fernsehen. Jedermann besaß ein Gerät und ging fortan immer seltener in die Gaststätte.

ca. 1992
Gaststätte Kossel (Foto von Erwin Kossel)

Durch Umbaumaßnahmen wurden die Räumlichkeiten für die Kindertagesstätte Zappelphillipp hergerichtet. So ist weiterhin reges Leben im Haus.

Quelle

  1. Werner Sievert nach Angaben von Erwin Kossel in:
    Dela Risse: Meiningsen im Wandel der Zeit. Meiningsen 2001. Siehe Literaturverzeichnis.