Meiningsen bei Soest [1]

Die Schlacht am Birkenbaum

In Werl wurde zum ersten Male die Sage von der Schlacht am Birkenbaum schriftlich niedergelegt und 1701 in Köln veröffentlicht, der Titel war: Prophezeiung über den schrecklichen Kampf des Südens und des Nordens und die grausige Schlacht bei Budberg im Herzogtum Westfalen. Da kein Original mehr vorhanden ist, hat der Dortmunder Kuratpriester Th. Beykirch von einer Abschrift die Prophezeiung ins Deutsche übertragen. Diese Obersetzung hat folgenden Wortlaut:

Nach diesen Tagen wird die traurige, unglückliche Zeit hereinbrechen, wie der Erlöser sie vorhersah. Die Menschen fürchten sich auf Erden und werden vergehen in Erwartung der Dinge, die da kommen. Der Vater wird sein gegen den Sohn, der Bruder gegen den Bruder. Treu und Glauben werden nicht mehr zu finden sein. Nachdem die Völker sich lange Zeit gegeneinander bekriegt haben, Throne zusammengesunken sind, Reiche umgestürzt wurden, wird der unverletzte Süden gegen den Norden die Waffen ergreifen. Dann wird es sich nicht mehr um Vaterland, Sprache und Glauben handeln: vereinigen werden sie sich, um zu töten und zu kämpfen wegen der Oberherrschaft über den Erdkreis. Mitten in Deutschland werden sie aufeinandertreffen, Städte und Dörfer zerstören, nachdem die Einwohner gezwungen sind, sich in die Berge zu flüchten. In den Gegenden Niederdeutschlands wird dieser schreckliche Kampf entschieden werden. Daselbst werden die Heere Lager schlagen, wie sie der Erdkreis noch nicht gesehen hat. Am Birkenwäldchen nahe bei Budberg wird dieses schreckliche Treffen beginnen. Wehe, wehe, armes Vaterland! Drei Tage werden sie kämpfen. Bedeckt mit Wunden werden sie sich noch gegenseitig zerfleischen und bis an die Knöchel im Blute waten. Die blutigen Völker des Siebengestirns werden endlich siegen, und ihre Feinde werden fliehen, am Ufer des Flusses sich wieder setzen und mit äußerster Verzweiflung kämpfen. Dort aber wird ihre Macht vernichtet, ihre Kraft gebrochen, so daß nur einige übrigbleiben, um diese unerhörte Niederlage zu verkünden. Die Bewohner der verbündeten Orte werden klagen, aber der Herr wird sie trösten und sie werden sagen: Das hat der Herr getan.

Was zu diesen gedruckten Prophezeiungen sonst noch im Volke umgeht, welches die Zeichen der Zeit sein werden, die uns die Schlacht am Birkenbaum ankündigen, und was weiter geschehen soll, das hat Paul Zaunert in seinen „Westfälischen Sagen“ zusammengestellt. „Die Menschen wissen dann vor Hoffart nicht, wie sie sich kleiden sollen. Die Frauen tragen Hüte wie Männer. Abends wird man sagen: Friede! Friede! und morgens steht der Feind schon vor der Tür“. – Der Krieg folgt auf einen Winter, der kein Winter ist, wo nur sohlenhoher Schnee fällt. Die Schlüsselblumen blühen in diesem Jahre sehr früh, und die Kühe gehen schon im April im Grase bis an die Knie. Die ersten Soldaten, die kommen, tragen Kirschblüten auf den Hüten. Das Korn wird vor der Schlacht am Birkenbaum erst eingefahren, der Hafer aber nicht. Der alte Jasper in Deininghausen, von dem manche dieser letzten Weissagungen stammen, spricht nicht von einem Kampf zwischen Norden und Süden. „Aus Osten wird dieser Krieg losbrechen. Vor Osten habe ich bange“, sagt er. Ebenso sagt Peter Schlinkert, der Seher auf dem Mühlenschulzenhof zu Stockum: „Am Birkenbaum wird die Armee des Westens gegen die Armee des Ostens eine furchtbare Schlacht kämpfen und nach vielen blutigen Opfern ei-nen Sieg erringen“. Einige Tage später geschieht zwischen den Kriegern aus Osten und Westen die zweite und letzte große Schlacht auf deutschem Boden, und zwar bei dem Dorfe Schmerlecke am sog. Lusebrinke. Die Heere des Ostens werden bis zur gänzlichen Vernichtung ge-schlagen.


Meiningsen bei Soest, Inhaltsübersicht.

Quelle

  1. Josef Wedding: Meiningsen bei Soest. Siehe Literaturverzeichnis.