Die alte Windmühle [1]

Windmühle Meiningsen ca. 1920ca. 1920 (?)
Die Meiningser Windmühle war einmal das Wahrzeichen unseres Ortes. (Postkarte im Soester Stadtarchiv Nr. 1577-31)

Windmühle Meiningsen ca. 1920
Desgleichen ein Ausschnitt.

Windmühle Meiningsen vor 1927vor 1927 (?)
(Foto von Lange, Soester Stadtarchiv Nr. - Dela Risse: Foto von der Familie Ostermann)

Die alte Windmühle, erbaut 1818, eine sogenannte Holländermühle, lag südwestlich des Ortskerns im zur Haar ansteigenden Gelände.

Windmühle Meiningsen vor 1927vor 1927

(Foto von Lange, Soester Stadtarchiv Nr. A1577-31)

Heute erinnert nur noch eine Straßenbezeichnung an das ehemalige Wahrzeichen des Dorfes, denn wegen Baufälligkeit gab ein Herr Wedding (aus dem Ruhrgebiet), ein Angehöriger der in Meiningsen lebenden Familie Wedding 1975 den Auftrag zum Abriß. Durchgeführt wurde er "warm" durch die Löschgruppe Meiningsen-Epsingsen der Freiwilligen Feuerwehr Soest.

Den Grundriss der Windmühle kann man sich als Oktogon vorstellen. Die acht hochkant stehenden Eichenpfosten waren jeweils 12 Meter lang und 31 mal 31cm stark. Der Durchmesser des Bauwerks betrug am Boden ca. 10 Meter, oben jedoch nur ca. 7 Meter. Die oben liegende Mühlenachse, an der die Flügel angebracht waren, bestand aus 65 cm starkem vierkantigem Eichenholz.

Josef Wedding berichtet 1950: [2] "Das Räderwerk der Meiningser Windmühle ist noch vorzüglich erhalten und soll so weit wie möglich wieder instandgesetzt werden, so daß es evtl. mit einem Elektromotor zu Schauzwecken wieder drehbar wird. Nach Ansicht des Herrn Studienrats Tommetten vom Gymnasium in Soest ist hier hervorragende Handwerkskunst angewandt worden. Es ist geplant, die Windmühle ... unter Naturschutz zu stellen. ... Der Bau der Mühle hat fast zwei Jahre gedauert, und die Kosten beliefen sich auf ca. 4000 Thaler. Die Einrichtung der Windmühle bestand aus einem Schrottgang, einem Mahlgang und einer Schälmaschine für Gerste und Hafergrütze. Letztere ist abgebrochen worden, weil sie von Holzwürmern zerfressen war. Der noch vorhandene Schrottgang besteht aus zwei Steinen aus rheinischer Lava vulkanischen Ursprungs. Der Mahlgang besteht aus Ruhrsandstein aus Witten. Die beiden Läufersteine wiegen je 60 Zentner bei 1,5 m Durchmesser."

Anmerkung: Die Gewichtsangabe ist nach Auskunft des Herrn Heinz Bockholt unwahrscheinlich, denn die morsche Windmühle wurde von ihm mit einem Trecker eingerissen und die Mühlsteine abtransportiert. Die freiwillige Feuerwehr hatte vom Eigentümer Wedding den Abbruchauftrag bekommen. Zeitweise soll der Eigentümer Josef Wedding auch in der alten Windmühle gewohnt haben (Information Friedrich Sievert).

"Das Brotmehl wurde ganz fein gemahlen und von den Mahlgästen zu Hause mit einem Roßhaarsieb ausgesiebt. Die im Siebe liegende Kleie war Viehfutter."

Windmühle Meiningsen 1952um 1952 (?)

Im Zeitungsbericht von 1952 über Meiningsen verdeutlicht ein Bild, dass zu diesem Zeitpunkt die Windmühle keine Flügel mehr besaß und schon 1927 wird berichtet, bei Ausbruch des Krieges 1914/18 sei sie noch in Betrieb gewesen, jedoch nun fast eine Ruine.

vor 1959
Meiningser Windmühle (Foto von Manfred Lappe)

Windmühle Meiningsen ca. 19711971 (?)
Die Meiningser Windmühle kurz vor ihrem Abriss. (Foto von Jürgen Schilling, stark restauriert)

Oben in der Mühle waren zwei 6-7 m lange Eichenquerbalken mit folgender Inschrift versehen:

Anno 1818 - November - haben die Eheleute Diedrich Schulze und Anna-Maria Wilms aus Meiningsen diese Mühle aus ihren Mitteln und mit Gottes Hilfe aufbauen lassen durch Meister Holtmann aus Marbeck.

Gott, aus lauter Gnaden
Verhüte allen Schaden, der durch die starken Winde
Entstehen könnt´ geschwinde.
Vertrau auf Gott wenn´s stürmt und schneit,
wenn die Donnerwolke schreit,
wenn dich trifft das böse Wetter
ist Gott allein dein Retter.
[3]

Heute sieht man nur noch den Hügel, auf dem die Windmühle einst stand: der sogenannte Windmühlenberg.

Meiningsen - An der Windmühle11.03.2000

Ansicht ähnlich wie oben, links der Windmühlenberg, rechts hinter den Bäumen das Haus Schlak.

Der Windmühlen-Hügel in Meiningsen11.03.2000

Dort auf dem Hügel stand die Meiningser Windmühle. Nach Aussagen von der nebenan seit 1985 wohnenden Heidi Schlak "verirren" sich manchmal noch Fahrradfahrer hierher, um nach der Mühle zu fragen. Die Windmühle war noch lange nach ihrem Abbruch in Karten verzeichnet.

Nach Auskunft von Heinz Bockholt wurden zur Zeit des Mühlenabrisses im Jahr 1975 vier Mühlsteine geborgen, zwei gegossene, zwei weitere aus Sandstein. Während ein Sandstein-Mühlstein entwendet wurde, befindet sich der zweite auf dem Hof Bockholt. Ebenfalls dort ist auch einer der gegossenen Mühlsteine. Der vierte befindet sich als "stabiler Gartentisch" auf dem Hof Brünger:

Mühlstein aus der alten Meiningser Windmühle25.09.2011

Quellen

  1. Risse, Dela: Meiningsen: Gestern und heute. Siehe Literaturverzeichnis.
  2. Wedding, Josef: Meiningsen bei Soest. Siehe Literaturverzeichnis.
  3. ebenda.